Ausleihen statt kündigen:
Tarifvertrag macht Weg frei für die landesweit erste Agentur für Arbeitskräfte-Tausch.
Metallbranche im östlichen Ruhrgebiet übernimmt mit FLEXPOOL eine Vorreiterrolle bei innovativer Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung – Aufbauphase wird mit Europa- und Landesmitteln unterstützt
Pressemitteilung vom 26.10.2006
Das Funktionsprinzip von Arbeitskräfte-Pools ist einfach: Unternehmen schließen sich zusammen, um untereinander befristet Personal auszutauschen. Je nachdem, ob ein Betrieb "Entsender" oder ”Entleiher” ist, kann er so auf Kurzarbeit oder Überstunden, Stellenstreichungen oder Leiharbeit verzichten. Mitarbeiter, die zeitweise in einer anderen Firma tätig sind, leisten einen aktiven Beitrag zur Sicherung ihres eigenen Arbeitsplatzes.
Aber nicht nur sie ziehen Vorteile aus dem Verfahren: Dem Unternehmen bleibt eingearbeitetes Personal - und damit dessen Know-how - erhalten. Entsandte Mitarbeiter kehren mit zusätzlichem Wissen, trainierten Fähigkeiten und gesteigerter Flexibilität zurück. Erfahrungen aus bestehenden Pools zeigen überdies, dass sich aus der Kooperation beim Personal oft auch eine in anderen Bereichen entwickelt, so der gemeinsame Einkauf von Material oder Energie. ”Ein Arbeitskräfte-Pool stärkt Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit”, sagt daher Anke Verhoeven.
Zusammen mit Michael Wacker leitet die Personalberaterin FLEXPOOL, eine neue Agentur und Tausch-Plattform, die sich an metallverarbeitende Unternehmen in der Region Hamm-Unna richtet. Die Vorteile derartiger Einrichtungen sind in der Industrie bereits bekannt: So gibt es mit Metallpool plus in Mittelfranken und der Kooperationsinitiative Maschinenbau (KIM) in Braunschweig seit Jahren funktionierende Firmennetzwerke.
Die anfängliche Skepsis, der Personalaustausch könne zu Abwerbung führen, ist längst ver-flogen. „Ein Arbeitskräfte-Pool ist ein Betrieb der Betriebe. Die darin kooperierenden Unternehmen haben ein gemeinsames Interesse“, benennt Verhoeven die Gründe. Sie verweist zudem auf die Regeln, die die Unternehmen mit Eintritt in den Verbund anerkennen.
Warum hat sich die Idee trotz dieser Vorteile noch nicht durchgesetzt? „Weil es für das Gelingen mehr bedarf als einer ausreichenden Zahl tauschbereiter Unternehmen”, betont Verhoeven. Entscheidend sei, dass die Unternehmen den Personalverleih nicht selber organisieren müssen, sondern sich auf eine feste Struktur stützen könnten. Diese Agenturfunktion übernehmen bei FLEXPOOL zwei Einrichtungen, die im Personal-management, in der Qualifizierung und der Beschäftigungspolitik über langjährige Erfahrungen verfügen: das Netzwerk Radbod aus Hamm und die Werkstatt im Kreis Unna.
Unverzichtbar ist aus Sicht der FLEXPOOL-Macher auch die Schaffung einer ebenso flexiblen wie fairen Rechtsgrundlage für den Arbeitskräftetausch. In Deutschland setzt die Arbeit-nehmerüberlassung eine entsprechende Genehmigung voraus. ”Diese Hürde entfällt bei FLEXPOOL”, erläutert Michael Wacker von der Werkstatt Unna. Möglich sei das durch einen eigens für den Arbeitskräfte-Pool geschlossenen Ergänzungstarifvertrag. Dessen Unterzeichnung in dieser Woche bildet den eigentlichen Auftakt für FLEXPOOL.
Ausgehandelt haben das Schriftwerk der Unternehmensverband Westfalen-Mitte sowie die beiden betroffenen Bezirke der Industriegewerkschaft (IG) Metall, Hamm und Unna. Der Ver-trag erspart den teilnehmenden Betrieben viel bürokratischen Aufwand und die hohen Kosten der Genehmigung. Festgeschrieben ist darin auch, dass der Verleih von Arbeit-nehmern deren Einverständnis sowie das der beteiligten Betriebsräte voraussetzt. ”Niemand braucht sich also überrollt zu fühlen”, so Udo Oberdick von der Hammer IG Metall .
Der Verankerung von FLEXPOOL in der Region messen die Verantwortlichen große Bedeutung zu. Neben den Tarifparteien holten sie eine Vielzahl weiterer Partner mit ins Boot, von A wie Agentur für Arbeit über T wie Transfergesellschaften bis Z wie Zeitarbeitsfirmen. Dank dieses Netzwerks sind die Leistungen nicht auf den Personalaustausch beschränkt: „FLEXPOOL kann auch dauerhafte Übergänge begleiten, Personal außerhalb des Pools rekrutieren oder notwendige Qualifizierungen organisieren“, umreißt Verhoeven das geplante Angebot.
Parallel zum Tagesgeschäft sollen neue Arbeitsmodelle entwickelt und umgesetzt werden, so die Bündelung von Teilzeitarbeitsplätzen zu Arbeitgeberzusammenschlüssen nach französischem Vorbild. Jenseits des Rheins sind bereits 45.000 Menschen nach diesem Muster beschäftigt. Überbetriebliche Kooperationen sollen auch für die Stellensuche nach der Ausbildung genutzt werden und so mehr Jugendliche in den Beruf bringen.
Verhoeven und Wacker gehen davon aus, dass FLEXPOOL nach dem jetzt vollzogenen Startschuss rasch wachsen wird: „Durch vorbereitende Umfragen wissen wir, dass Bedarf und Interesse vorhanden sind“. Zwölf Unternehmen mit zusammen rund 2.500 Mitarbeitern haben schon ihre Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert. Bis Ende 2007 soll die Zahl auf etwa 25 steigen und FLEXPOOL zu einer Einrichtung werden, die sich durch Mitgliedsbeiträ-ge und weitere Einnahmen selbst trägt.
In der Aufbauphase wird die Plattform von der öffentlichen Hand unterstützt: Der innovative Charakter veranlasste die Europäische Union und die NRW-Landesregierung, den Ar-beitskräfte-Pool mitzufinanzieren. „Diesen Vorteil geben wir an die interessierten Unternehmen weiter“, verweist Verhoeven auf ermäßigte Konditionen, die schnell entschlossene Betriebe in Anspruch nehmen können. Detaillierte Informationen zu FLEXPOOL gibt es bei der Geschäftsstelle in Hamm (Tel. 02381-9721244) und im Internet (www.flexpool.biz).
Pressekontakt
Anke Verhoven
FLEXPOOL, c/o Netzwerk Radbod, Hammer Str. 144, 590795 Hamm
Tel.: 02381-97212-44, mobil: 0163-97212-44
Fax: 02381-97212-33, E-Mail: info(at)flexpool.biz
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